Mit der Eröffnung der Koralmbahn am 14. Dezember 2025 begann für den Schienenverkehr in Österreich und Europa eine neue Ära. Als Teil der neuen Südstrecke verbindet dieses „Jahrhundertprojekt“ die Weststeiermark mit Südkärnten über 130 Kilometer neue Strecke, 50 Tunnelkilometer und über 100 Brücken. Das Herzstück ist der 33 Kilometer lange Koralmtunnel, der sechstlängste Eisenbahntunnel der Welt. Doch die Koralmbahn ist weit mehr als eine regionale Verbindung: Sie ist ein entscheidendes Puzzlestück der Transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-V).

Was sind Transeuropäische Netze (TEN)?

Die Transeuropäischen Netze sind ein zentrales Programm der Europäischen Union, um den Binnenmarkt zu stärken und den wirtschaftlichen sowie sozialen Zusammenhalt zu fördern. Sie umfassen die Bereiche Energie, Telekommunikation und Verkehr.

Im Bereich Verkehr (TEN-V) ist das Ziel die Schaffung eines effizienten, interoperablen und nachhaltigen europäischen Verkehrsraums. Dies umfasst Schienenwege, Straßen, Wasserstraßen, Häfen und Flughäfen. Die Netze sollen Engpässe beseitigen und technische Barrieren zwischen den Mitgliedstaaten abbauen.

Der Aufbau des Verkehrsnetzes (TEN-V)

Das TEN-V-Netz ist strategisch in drei Ebenen unterteilt:

  1. Das Kernnetz (Core Network): Die strategisch wichtigsten Verbindungen, die bis 2030 fertiggestellt sein sollen.
  2. Das erweiterte Kernnetz: Eine zusätzliche Ebene, deren Vollendung bis 2040 angestrebt wird.
  3. Das Gesamtnetz (Comprehensive Network): Gewährleistet die Anbindung aller Regionen und soll bis 2050 realisiert werden.

Zur effizienten Umsetzung wurden neun europäische Verkehrskorridore definiert, die als multimodale Hauptachsen den Kontinent durchqueren.

Österreich und der Baltisch-Adriatische Korridor

Österreich liegt am Schnittpunkt von insgesamt vier dieser Korridore, darunter die Donauachse und die Brennerachse. Die Koralmbahn ist zusammen mit dem Semmering-Basistunnel ein integraler Bestandteil des Baltisch-Adriatischen Korridors.

Dieser Korridor verbindet die Ostseehäfen in Polen (wie Danzig und Gdynia) über Wien und Graz mit den Adriahäfen in Italien und Slowenien (wie Triest, Venedig und Koper). Durch die Koralmbahn verkürzt sich die Reisezeit zwischen Graz und Klagenfurt von ehemals rund zwei Stunden auf nur noch 41 Minuten. Auch internationale Ziele rücken näher: So verkürzt sich die Fahrtzeit von Wien nach Triest um fast drei Stunden.

Finanzierung durch die EU: Die „Connecting Europe Facility“ (CEF)

Großprojekte wie die Koralmbahn werden massiv durch die EU unterstützt. Das wichtigste Instrument hierfür ist die Connecting Europe Facility (CEF).

  • Fördersätze: Für grenzüberschreitende Schienenprojekte oder die Beseitigung von Engpässen können Kofinanzierungen von bis zu 40 % oder sogar 50 % (bei Studien) gewährt werden.
  • Budget: Im aktuellen EU-Finanzrahmen (2021–2027) stehen allein für den Verkehrsbereich über 25 Milliarden Euro zur Verfügung.

Fazit: Ein Gewinn für Mensch und Umwelt

Die Einbindung der Koralmbahn in das TEN-V-Netz macht den Schienenverkehr zur echten Alternative zum Auto und Flugzeug. Sie fördert eine klimafreundliche Mobilität, stärkt den Wirtschaftsstandort Österreich und lässt Europa ein Stück enger zusammenwachsen.